Die Übersetzung der Mayaglyphen – Der große Irrtum

Mit der Entzifferung der Mayaglyphen bzw. Mayaschrift versucht sich der Fachbereich Altamerikanistik weltweit seit mehr als 100 Jahren und verkündet heute: man habe mehr als 80% der Mayaschrift übersetzt. Arbeitet man diesen Entzifferungsansatz auf, dann eröffnet sich die seit Jahren praktizierte Unfähigkeit, logische Zusammmenhänge richtig zu erkennen, wie nachfolgende Ausführungen beweisen werden.

Es werden hier nicht die archäologischen, epigraphischen, linguistischen oder ethnologischen Arbeiten und Leistungen in punkto Dokumentation in Abrede gestellt, sondern der reine Entschlüsselungsansatz der Mayaschrift bzw. die daraus resultierende Fehlübersetzung und damit verbundene Fehlinterpretation des Lebens der Maya.

Hatten sich die „jüngeren Wissenschaftler“ in den 60/70er Jahren des letzten Jahrhunderts noch gegen die Allmacht eines Herrn Sir J. Eric S. Thompson aufgelehnt, der den Entzifferungsansatz von Knorosow nicht nur als russisches Propagandagut diffamierte4, so verschließt sich die heutige Generation gegenüber neuen Lösungen systemkonform.

Mit dem Aufbruch in die Übersetzung der Mayaglyphen, dem Entzifferungsansatz Knorosows folgend, hat sich seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts ein syllabisch-logografisches System installiert, mit dem man die Übersetzung der Mayaglyphen vollzieht.

Gleichzeitig werden Behauptungen bemüht, die u.a. aussagen, dass eine Mayaglyphe aus Verb, Subjekt und Objekt bestünde und die „Seitenglyphen“ als Affixe15 bzw. Suffixe zu verstehen seien, um das praktizierte Übersetzungskonstrukt zu untermauern4. Mit Sicherheit haben die Maya ihre Schrift nicht zuerst über die Grammatik erfunden, aber es macht viel her diesen Ansatz wissenschaftlich beweisen zu wollen.

Als Basis für die Schrift liegen nur die verschiedenen Codices, darunter der Dresdner Codex, diverse Wandreliefs und Stelen etc. im Original vor, sowie die Niederschriften der Chilam-Balam Bücher aus dem 17. Jahrhundert, die in lateinischer Schrift verfasst wurden. Darüber hinaus gibt es nur noch die Niederschrift Diego de Landas von 1566, den „Relación de las cosas de Yucatán“1, in der de Landa versuchte die Grundlagen der Mayaschrift zu notieren. Da diese Niederschrift im Verhältnis zeitlich kurz nach der Eroberung Mittelamerikas liegt, muss sie als ultimative Basis gesehen werden.

Ein Großteil der Aufzeichnungen de Landas wird in der heutigen Zeit von der Wissenschaft negiert und man unterstellt de Landa sogar, dass er seine eigenen Aufzeichnungen nicht verstanden haben soll, er hätte ein unvollständiges phonetisches Alphabet / Silbenregister notiert4. Diese Behauptung ist einer der gravierendsten Fehler der bisherigen Übersetzungsgeschichte der Mayaschrift.

Selbst basisorientierte Überlegungen aus dem 19. Jahrhundert, auf die Knorosow teilweise aufbaute, finden keinen Eingang mehr in der heute praktizierten Übersetzungsarbeit. Auch hat die Weiterentwicklung durch David Stuart seit den 70er Jahren des letzen Jahrhunderts4 nur zur Etablierung eines falschen Ansatzes geführt und aus diesem Grund ist es enorm wichtig geworden zuerst ein paar Fragen zu stellen.

Erste Fragen

1. Warum sollte man sich für einen Silbenlaut die Arbeit machen diesen in Stein zu meißeln?
2. Wo steht geschrieben, dass die Glyphen nur das aussagen, was man offensichtlich sieht - Logogramme?
3. Wieso sollte eine Mayaglyphe nur aus Verb, Subjekt und Objekt bestehen?
4. Ist der Ansatz von Knorosow überhaupt richtig?
5. Ist das weiterführende System David Stuarts richtig?
6. Hatte Diego de Landa vielleicht doch recht?

Beschäftigt man sich eingehender mit der Mayaschrift, dann fallen rein optisch erste Unregelmäßigkeiten bei der Übersetzung auf.

Mscr.Dresd.R.310, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden Mscr.Dresd.R.310, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
Kan Cumku

Links steht die Glyphe Kan aus dem Ritualkalender und diese wurde im oberen Bereich um eine weitere kleinere Glyphe ergänzt und soll nun Cumku, ein Monatsname aus dem Jahreskalender, heißen. Basierend auf einer Grundlogik müsste sich Kan nur ergänzen, wie wir es aus unserer Sprache kennen und so würde aus dem Wort Baum in Ergänzung z.B. Baumgruppe, Baumstamm oder Baumrinde. Angenommen der Begriff Cumku bezieht sich nur auf die neu oberhalb hinzugefügte Glyphe, wo ist dann Kan geblieben?

Gehen wir zu weiteren Glyphen aus dem Ritualkalender Tzolkin. Die beiden wichtigsten Namen sind wohl Imix und Ahau (neue Schreibweise Ajaw). De Landa schreibt in seinem "Bericht aus Yukatán" eindeutig, dass Ahau = Herr bedeutet6. Demzufolge hat dieses Wort einen gleichen Stellenwert wie bei uns ein Name eines Wochentages. Wenn Ahau also so wichtig ist, warum lässt sich dann für das Wort Ahau in keinem Sprachlexikon der klassischen Maya eine Übersetzung dazu finden?

Und wenn das Wort Ahau auftaucht, dann wird es als Herr, Regierer etc. übersetzt,  d.h. es wird der Definition de Landas gefolgt.

Mscr.Dresd.R.310, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden Mscr.Dresd.R.310, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
Ahau Imix

Unsere Wochentage können wir bequem bis ins Mittelalter nachverfolgen, zwar in abgewandelter Schreibweise, aber es lässt sich ein klarer Bezug herstellen woher der Begriff unseres Wochentages stammt. Gleiches müsste sich bei den Maya auch nachvollziehen lassen.

Für die Glyphe Imix lässt sich ebenfalls keine Übersetzung in einem Sprachlexikon der klassischen Maya finden. In neueren Lexika taucht für Imix nur der Begriff Tagesname auf. Da Imix der 1. Tagesname des Ritualkalenders Tzolkin ist6, erscheint es doch als höchst suspekt, dass ausgerechnet für solch einen wichtigen Tag keine Übersetzung existieren soll? Und wenn den Maya der Ritualkalender so heilig und wichtig war, dann müsste genau solch ein Bezug herstellbar sein.

Wie erklärt die Fachwelt diesen fehlenden Bezug?