Knorosows Ansatz

Juri Walentinowitsch Knorosow besaß seit Ende des 2. Weltkrieges eine Schwarz-Weiß-Kopie der drei Codices, Madrid, Paris und Dresden, sowie de Landas Aufzeichnungen und entwickelte hinter dem eisernen Vorhang seinen Übersetzungsansatz, den er 1952 in einer Fachzeitschrift veröffentlichte.

Er folgte einer Herleitung aus der Übersetzung der ägyptischen Hieroglyphen und versuchte dabei die Mayaglyphen mit einer Kombination aus Logogrammen und phonetischen Lauten darzustellen. Mit diesem Ansatz griff er den phonetischen Ansatz von Cyrus Thomas13 aus dem 19. Jahrhundert wieder auf und ergänzte diesen um die Logogramme4.

Thomas hatte versucht zu beweisen, dass den Mayaglyphen ein Silbenschrift zugrunde liegen müsse, die vornehmlich aus einer Kombination aus Kosonant(en) und Vokal besteht12. Durch den enormen Widerstand von Eduard Seler ließ er aber von seinem Vorhaben ab4.

Beispiel 1:

Die Annahme, dass diese Glyphe

tzul = Hund heißen müsse, da sie sich oberhalb des Hundes befindet, ist ein hochspekulativer Ansatz, der sich durch nichts belegen lässt, sondern auf reiner Vermutung basiert.
Es wird über einen vermeintlich visuellen Bezug eine Übersetzung auf Seite 21 des Dresdner Codex vorgenommen, die bis heute ihre Gültigkeit erfährt.

Da ähnliche Glyphen als eine Glyphe von der Altamerikanistik klassifiziert werden nachfolgend die "gleiche Glyphe" auf den Seiten 7 und 13 des Dresdner Codex, deren Übersetzung bis heute auch tzul lautet.




Es lässt sich unschwer erkennen, dass alle 3 Glyphen in ihrer gestalterischen Ausführung differieren.

Die Übersetzung für das Mayawort tzul wurde aus der Mayasprache Motul entnommen, in dessen Wörterbuch nicht einmal die Übersetzung für Süden und Norden aufgeführt ist. Auch bedeutet tzul im Motul "domestizierter Hund" und passt so gar nicht zu einer Gottheit. Die nächste Frage die sich anschließt: Ist mit dieser Zeichnung überhaupt ein Hund gemeint?

Ein Franziskanermönch zeichnete 1577 die Sprache Motul5 als Wörterbuch auf und aus diesem Grund gehört Motul mit Sicherheit zu einer der wichtigen Quellen der Sprachüberlieferung als Zeitzeuge. Da aber anzunehmen ist, dass der Dresdner Codex einer Elite entstammt und laut Thompson um 1250 n. Chr. entstand13, stellt sich die Frage, ob die Motul im 13. Jahrhundert einer elitären Schicht der regierenden Maya angehörten und ob ihre Sprache zur "Hochsprache" zählte, in der Schriften verfasst wurden?

Somit ist die Übersetzung mit Motul an dieser Stelle als fragwürdig zu erachten, wenn tzul in anderen Dialekten nicht gebräuchlich war.

Im nächsten Atemzug wird mit dem Ansatz tzu im Madrider Codex rechts stehende Glype mit kutz(u) = Truthan übersetzt4.

Einerseits differiert die rechte Glyphe in ihrer Ausführung zu den Glyphen des Dresdner Codex erheblich und andererseits wird für den linken Teil dieser Glyphe die Ausführung von de Landa bemüht um ku zu übersetzen.

Hier offenbart sich die Widersprüchlichkeit:
1. Wenn de Landas Aufzeichnungen als "Humbug" erachtet werden, warum wird dann seine Übersetzung bemüht?
2. Wie das cu bei de Landa zu verstehen ist, ist überhaupt nicht geklärt und man bedient sich hier einer visuellen
   Zuordnung, da in de Landas cu-Glyphe nur ein X als übereinstimmendes Element zu obiger Glyphe vorkommt,
   welches hier als ku deffiniert wird.

Das X ist auch in der Glyphe Cauac zu finden und Cauac als Wort gibt keine Veranlassung cu darin zu finden.


Beispiel 2:

Eine weitere Beweisführung für seine These trat Knorosow mit den Glyphen lakin und chikin an:

lakin bedeutet Osten und für den oberen Teil la übersetzte Knorosow eine um 180 Grad gedrehte Ahau Glyphe mit la.

chikin bedeutet Westen und so ordnete Knorosow, für den oberen Teil chi, der Glyphe Manik den Laut chi zu.

Knorosow folgte damit dem Definitionsansatz der Himmelsrichtungen von de Rosny7 aus dem Jahr 1876, der wiederum eine rein optische Zuordnung aus dem Codex Madrid vollzog. Thomas kam zu dem Ergebnis das die Glyphen für lakin und chikin in umgekehrter Reihenfolge aufzuführen seien13, selbst Ernst Wilhelm Förstemann folgte der Annahme Thomas8.

Bis heute benutzt die Wissenschaft die Zuordnung der Himmelsrichtung und deren "Schreibung" wie Knorosow es mit seinem Ansatz zu belegen versuchte9.