Die Maya besaßen sie doch - die Buchstabenschrift

Wenn die Maya eine Buchstabenschrift benutzten, wie de Landa es behauptete, dann kann daraus nur eine Schlussfolgerung gezogen werden, dass an erster Stelle bei der Entzifferung die Entwicklung des Textes anhand der Buchstaben, die in der Glyphe benutzt werden, steht und erst an zweiter Stelle die Sprache folgt. Erst aus der Kombinatorik der Buchstaben entwickeln sich die Wörter, die dann in der Mayasprache nachzuschlagen sind.

De Landa besaß ein explizites Kalenderwissen6 und es schien abwegig, dass er bei der Niederschrift zu den Glyphen und dem Alphabet so versagt haben sollte und so gehörten zu meinem Handwerkszeug nur seine Angaben aus dem „Bericht aus Yucatán“ und der Dresdner Codex.

Weiterführende Überlegungen meinerseits führten bereits in der Vergangenheit immer wieder dazu, dass vorliegende Übersetzungen der Mayaglyphen im Dresdner Codex einfach nicht zur Mathematik passen konnten. Aus diesem Grund wagte ich im Oktober 2014 den Versuch einer völligen Neuübersetzung der Mayaglyphen. In diese Arbeit flossen natürlich auch sämtliche Fragestellungen, die hier auf diesen Webseiten bereits formuliert wurden, ein.

Nach einer Woche nachdenken hatte ich die Lösung, d.h. die Grundsystematik gefunden und die Gewissheit, dass die Maya eine Buchstabenschrift in Verbindung mit Silben benutzten um Ihre Glyphen zu schreiben. Die Texte, die in jeder Glyphe versteckt sind variieren von Bedarf zu Bedarf und die Schreiber wahren wirkliche Künstler, da sie es verstanden ihre Buchstaben und Silben so zu kombinieren, dass daraus sogar Köpfe und andere Gestalten wurden.

Es gibt klar definierte Regeln, wie in Haupt- und Nebenglyphen Buchstaben zu lesen sind und es ist eindeutig, dass jede Glyphe in sich, der Leserichtung von rechts nach links und von unten nach oben folgt. Somit hat Brasseur de Bourbourg mit einer seiner Überlegungen richtig gelegen.


Mein Ansatz

Die Kunst ist wohl mit einem leeren Glas völlig neu zu beginnen und so dachte ich zuerst darüber nach, warum de Landa die Tagesnamen des Ritualkalenders so aufgeschrieben hat, wie sie in seinem Manuskript zu finden sind?

So kam ich zu meiner wichtigsten Frage: Wieso heißen die Tagesnamen so wie sie heißen? Und wieso hat man diese Namen der Tagesnamen bisher einfach übernommen ohne darüber nachzudenken?

Aus der Kombinatorik dieser Tagesnamen untereinander entwickelte sich eine in sich logische Systematik, in der auch das notierte Alphabet de Landas1 Platz fand. Und noch etwas wurde deutlich: Die Tagesnamen sind als "Schlagwörter" zu verstehen, sie stellen je nach Umfang der Glyphe manchmal nur einen Auszug dar.

Wenn diese Glyphe Ahau aus Buchstaben besteht, dann müssen die Buchstaben a, h, u darin ablesbar sein. Da Ahau mit zwei a geschrieben wird ergibt sich weiter, daß die "Augen" der Glyphe für a stehen, der "Mund" u repräsentiert und der senkrechte "Doppelstrich" das h verkörpert.

In der Glyphe Lamat findet sich der Ansatz mit a wieder.

Und selbst in der Glyphe Manik lässt sich das a zuordnen.

Da Ahau bisher nur von de Landa mit "Herr" übersetzt wurde1 und es für Ahau selbst keine Entsprechung im Wörterbuch gibt, muss diese Glyphe anders gemeint sein. Schreibt man die Glyphe a-ha-uh, was durch Kombinatorik der Buchstaben möglich wird, dann bedeutet es: Du Wasserperle. Die Glyphe kann auch als hum a-ha gelesen werden, was dann übersetzt Du eins/erstes Wasser bedeutet. Es wäre mehr als verständlich, dass de Landa das h am Ende nicht gehört hat.
Es gibt aber noch zwei andere Möglichkeiten: Entweder wurde absichtlich durch die "Elite" eine Verschleierung durch Einführung der "Schlagwörter" vollführt, oder derjenige, der diese Wörter aus Glyphen herausgelesen hat, hat einfach falsch gelesen und kombiniert.

Nun gibt es im Dresdner Codex noch zwei weitere Schreibweisen von Ahau die von der Wissenschaft brav als ein Wort gelesen werden:

Diese Glyphe lautet a ha hun, was wiederum das eins/erste Wasser bedeutet.

Oder sie wird so geschrieben a-chah uh, das nun übersetzt Du Tropfenperle bedeutet.

Es erscheint auf den ersten Blick sehr seltsam, warum Du Wasserperle, Du 1. Wasser, Du Tropfenperle mit der Übersetzung "Herr" definiert wird? Hier muss ich vorgreifen, da im Dresdner Codex die Lösung dafür steht. Im Dresdner Codex wurde der Schöpfungsmythos der Maya niedergeschrieben und demzufolge ist das 1. Wasser dem Uranus als oberste Gottheit zuzuordnen. So kommt durch die neue buchstabengetreue Übersetzung das wahre kosmologische Verständnis der Maya ans Tageslicht und löst die seit Jahrzehnten vollführte Märchenstunde der Altamerikanistik ab.

Eine allgemeingültige Systematik für die Lesung der Glyphen durch Buchstaben in Kombination mit Silben, hier sind Kombinationen aus zwei Konsonanten wie auch Konsonant-Vokal-Folgen gemeint, kann nur dann als richtig erachtet werden, wenn sie sich auf alle Glyphen anwenden lässt. Demzufolge muss sich zwangsläufig jede Sprachvariation übersetzen lassen, da die benutzten Buchstaben die Sprache vorgeben. Würde man z.B. für Tal die alte Schreibweise Thal benutzen, dann muss der Buchstabe h auffindbar sein.

Die Altamerikanistik hat hier eindeutig versagt, da man den Pfad rein logischer Überlegungen verlassen hat und vermeintlich empirisch ermittelte Strukturen als allgemeingültiges System verkauft.

Diese Glyphe lautet nach bisheriger Übersetzung ah nicil = Blume, Blüte9

Es lässt sich wahrlich unschwer erkennen, dass in dieser Glyphe Ahau enthalten ist. Wo sind die Buchstaben für Ahau geblieben und wie kommt man von Ahau zu Nic(il)?

In buchstabengetreuer Übersetzung steht hier chum chuchum a ha uh = beginne kochen deinen Maisbrei. Es kann aber auch übersetzt werden mit chum a ahhuuch = beginne dein Mahlwerk. Welche Übersetzung die richtige ist verrät die dazugehörige Glyphe. In diesem Fall steht oberhalb dieser Glyphe die Glype für cacao und dadurch scheint die vorerst sinnige Übersetzung beginne dein Kakao-Mahlwerk. Da in der Glyphe cacao allerdings noch mehr Information enthalten ist, wird durch Kombination beider Glyphen beginne Kakao (zu) sammeln für dein Mahlwerk daraus. Dies ist doch eine sehr plastische Erklärung für eine landwirtschaftliche Tätigkeit im Gegensatz zu einer vermeintlich richtigen Schmalspurübersetzung von Kakaoblüte.

Diese Glyphe wurde bisher mit cacao = Kakao richtig übersetzt und es wurde de Landas Silbe ca benutzt. Bedeutet es doch, dass man hier schon richtig begonnen hatte und dann...?
Jedenfalls wird deutlich, dass die Silbe ca eine weitere Schreibweise für den Buchstaben a enthält.

Ein weiteres Beispiel, wie mit Ahau verfahren wurde, zeigt sich in der Übersetzung Knorosws für lakin4.

Wieso soll aus Ahau = la werden, nur weil Ahau auf dem Kopf steht? Und warum soll diese Glyphe Osten heißen, wenn die Annahme dazu aus einer rein visuellen Zuordnung im Codex Madrid herrührt7, selbst Förstemann sah das anders8. Wer sagt eigentlich, dass dort im Codex Troano die Himmelsrichtungen2 zu verorten sind?

Alleine die zeichnerische Ausführung lässt schwerlich glauben, dass die gesamte Glyphe nur lakin lauten soll. Durch die buchstabengetreue Übersetzung lautet der komplette Inhalt dieser Glyphe: ihr/sein Wind zuhnehmend (in der) Westwelt, vielleicht Regen?

Damit hatten Thomas13 und Förstemann8 recht, diese Glyphe mit Westen in Verbindung zu bringen und Knorosows Ansatz ist falsch.


Fazit

Die Maya nutzten eine Buchstabenschrift, die aus 20 Buchstaben besteht, angelehnt an das Vigesimalsystem, in Verbindung mit Silben. Für jeden Buchstaben gibt es mehrere Zeichen, wie bereits durch de Landas Aufzeichnungen angedeutet.

De Landa notierte das Alphabet1 richtig, weil es nur nach westlichen Denkstandards als fragwürdig erscheint. Dieses Alphabet muss man umdenken, da es Glyphen repräsentiert, in denen die Laute für die Buchstaben enthalten sind. Und es versteckt sich in seiner Aufzeichnung noch mehr: es wurden Hinweise darin eingebetet, die den Weg zur Entzifferung der Glyphen eröffnen, wenn man sie versteht.

Wen verwundert es da, dass sich seit Jahren Mayaglyphen der Übersetzung verweigern und sogar der Backenzahn eines Jaguars10 für einen Entzifferungsversuch herhalten muss.

Die Altamerikanistik hat seit Jahrzehnten in punkto Übersetzung auf Treibsand gebaut, und sie hat es unterlassen, substantielle Grundlagenforschung zu betreiben. Anscheinend wurde nichts hinterfragt und es wurde ein "Bauklötzchen" nach dem anderen, das verwertbar erschien, für die Mauern des Kartenhauses benutzt.

Um sich mit dem Habitus der Unantastbarkeit und der damit verbundenen Fachkompetenz zu verkleiden, rückten linguistische Gefüge in den Vordergrund bis hin zu Grammatiken, die man für die Mayasprachen entwickelte und entwickeln will, um vom Wesentlichen abzulenken. Man ist am Ende angekommen und kommt mit der Übersetzung nicht mehr weiter.

Mehr als 90% der bisherigen Übersetzungen sind eindeutig als falsch zu bewerten!


Angenommen, man wollte den Satz Heute war ein schöner Tag am Meer in Form einer Glyphe darstellen, dann würde sich nach Art der Maya daraus ein „Logogramm“, bestehend aus dem Hauptelement Meer, entwickeln. Der Tag kann in einer Nebenglyphe untergebracht sein, damit der Tag auch in anderen Zusammenhängen einsetzbar wäre und mit heute könnte gleich verfahren werden.

Würde nun ein Außenstehender diese Glyphe als Logogramm ausdeuten wollen, dann könnte Seeufer, Meeresufer, Meerblick usw. daraus werden. Wird dann noch die Nebenglyphe als Suffix mit einbezogen, hätte man es z.B. mit einer Meeresbrandung zu tun und damit wäre die Nebenglyphe Tag durch die "Umdeutung" verschwunden.
So geschieht es z.B. mit der Glyphe Imix, da aus Imix, verwendet in der Nebenglyphe, ein ba wird, wie man es in der bisher gültigen, dokumentierten Übersetzung des Dresdner Codex nachlesen kann9. Welch fragwürdige Praxis.

Die Kernaussage wird also nicht getroffen. Bei buchstabengetreuer Übersetzung kann der Satz lauten: Heute schöner Tag Meer. Dieser Inhalt reicht völlig aus, um die Information zu transportieren. Und genau darum geht es, Inhalte ohne Füllworte zu transportieren, da sich weitere Ergänzungen aus dem Textzusammenhang ergeben, die man gedanklich anfügen kann.

Kein Kind lernt zuerst die Grammatik und dann die Muttersprache.

Den Übersetzungsansatz über den Dresdner Codex zu suchen bedingte sich einerseits aus der Ähnlichkeit der Tagesnamen des Ritualkalenders zu de Landas Aufzeichnungen und andererseits dadurch, dass der Dresdner Codex am Ende einer jahrhundertelangen Schriftentwicklung steht, da er zeitlich zwischen 1200 und 1250 n. Chr. justiert wird13.
Darunter ist zu verstehen, dass alle darin gebräuchlichen zeichnerischen Elemente, die jeweils einen Buchstaben repräsentieren, zum allgemeingültigen Sprachgut in dieser Zeit gehörten. Es erscheint unwahrscheinlich, dass Jahrhunderte zuvor, komplett andere Zeichen als Buchstaben zur Anwendung gekommen sein könnten, zumindest wenn man sich innerhalb eines Kulturkreises bewegt. Wie bereits gesagt, über die Buchstaben entwickeln sich die Worte, an denen die benutzte Sprache abgelesen werden kann.
Es müsste sich eher so verhalten, dass das verwendete Volumen für Zeichen pro Buchstabe abnimmt, je weiter sich die zeitliche Zuordnung einer Textstelle in die Vergangenheit bewegt.

Wir benutzen die lateinischen Schriftzeichen und können damit Latein, Französisch, Spanisch, Althochdeutsch und jeden beliebigen Dialekt schreiben, wieso sollte es bei den Maya anders gewesen sein?
Wie wäre es, wenn es wirklich eine "Hochsprache" gab, die sich wie ein roter Faden durch die Zeit zieht?

Es schleicht sich eher der Verdacht ein, dass den Maya ein so komplexes Verständnis für Sprache nicht zuerkannt werden will, da anhand des Vokabulars einzelner Mayasprachen, die Mayasprache selbst eher einfach, bäuerlich anmutet.

Zum Schluss sei bemerkt, dass meine Übersetzungsarbeit längst nicht beendet ist und es immer noch zu Korrekturen der übersetzten Texte kommen kann, da das System in sich völlig logisch konsistent sein muss. Daher stehen alle von mir übersetzten Texte noch unter Vorbehalt einer etwaigen Korrektur. Bisherige "Übersetzungs-Ausflüge" in andere Zeiten und zu Mayaglyphen anderer Orte brachten bisher allerdings nur positive Ergebnisse und ergänzen daher eher das neue Verständnis für das Leben der Maya, als dass es zu gravierenden Änderungen in der Zuordnung der Buchstaben gekommen wäre.

Am Rande sei bemerkt, dass sich sämtliche Götterfiguren und andere Bilder, die im Dresdner Codex zu finden sind, aus einzelnen Buchstaben in Kombination mit Silben zusammensetzen.

Mir ist es jederzeit möglich eine umfassende, in die Tiefe gehende, Beweisführung anzutreten, als sie hier auf diesen Webseiten veröffentlicht wurde.